Alles Käse, oder was?
Im Westen der „Großen Seen“ an der Grenze zwischen den USA und Kanada, zwischen dem „Oberen See“, dem Lake Superior im Norden, und dem Michigan-See, der ziemlich exakt in Nord-Süd-Richtung verläuft, liegt der Staat Wisconsin (Staatsmotto „You're Among Friends“). Noch nie gehört? Oder doch! Irgendwie hat man das Gefühl, den Namen schon einmal gehört oder gelesen zu haben.
Footballbegeisterte werden Wisconsin auf jeden Fall kennen, denn das NFL-Team Green Bay Packers ist weit über die Grenzen des eigenen Bundesstaates hinaus bekannt. Die Stadt Green Bay verdankt ihren Namen einer tief eingeschnittenen Bucht des Michigan-See und ist Namensgeber der legendären „Packers“.
Als die Fans aus Milwaukee (ja, das liegt in Wisconsin!), Madison (davon gibt es in den USA mehrere), La Crosse, Eau Claire und Dubuque 1996 beim Superbowl die Packers anfeuerten, erkannten sie Millionen Fernsehzuschauer weltweit leicht als Einwohner des Käsestaates. Sie erschienen nämlich mit ungewöhnlicher Kopfbedeckung: überdimensionalen Emmentaler-Dreiecken. Die Football-Fans aus dem hohen Norden hatten sich Hüte in Form von riesigen Käsestücken gebastelt - oder gekauft, denn Wisconsin gilt als die Käserei der Vereinigten Staaten, und sie ist in der Tat eine Kombination aus Gouda, Edam, Emmental, Allgäu und Tilsit.
Es gibt keinen Käse, den es hier nicht gibt - und der hier nicht hergestellt, verpackt und landesweit - das heißt zwischen Atlantik und Pazifik - verkauft wird. Ob sich die Spieler vor dem Anpfiff mit Käse „gedopt“ haben, ist nicht überlieft. Jedenfalls gewannen sie das Endspiel gegen die New England Patriots und damit die 12. Meisterschaft der Vereinsgeschichte.
Dass aus Wisconsin Amerikas Käseland wurde, hat mit der hügeligbergischen Landschaft und dem Klima zu tun, in dem gutes grünes und würziges Gras wächst, das aus hungrigen glückliche Kühe macht, die herzhafte Milch geben - und das reichlich. Dazu kommt, dass vor allem im neunzehnten Jahrhundert in mehreren Wellen Einwanderer aus Mittel- und Nordeuropa, vor allem aber aus Deutschland und der Schweiz, in das damals noch menschenleere Land strömten. Die fanden die Produktionsverhältnisse ihrer Heimatländer wieder, und sie machten eben das, was sie am besten konnten: Butter und Käse. Stolz präsentieren die Käseköpfe die Statistiken: 35 % der Käseproduktion der Vereinigten Staaten kommt aus Wisconsin - das ist eigentlich unglaublich.
Rüsten Sie also Ihre Nase und besuchen Sie eine der über 40 Käsereien bzw. Käsefabriken, die eine Führung und - natürlich - Verkostung anbieten. Käse nach Cheddar-Art gibt es fast überall, wenn Sie aber vielleicht nach einem Muster aus Wisconsin suchen, dann müssen Sie nach Conrath zu den Foremost Farms USA, wenn Ihnen der Sinn nach Limburger steht, dann auf nach Monroe (!) in die Chalet Cheese Co-Bop. Gouda und Edam à la USA gibt es bei Prima Kase (!) in Monticello (!) -, und Simon's hat 1988 den allergrößten Käse der Welt produziert. Darauf wird Stolz auf der Firmen-Homepage hingewiesen. Der Käse wurde „Belle of Wisconsin – Schönheit von Wisconsin“ getauft und wog etwa 18.000 kg.
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