Indiana Staat-Rundfahrt
Das Mekka der Naturliebhaber
Die fünfte Jahreszeit ist in diesem Lande nicht der Karneval, sondern der Frühherbst, der "Indian Summer". Was für den Osten Kanadas und die New England States in den USA gilt, das gilt hier natürlich ganz besonders, denn der Bundesstaat an der Südspitze des Michigan-Sees trägt den richtigen Namen für die richtige Zeit im Jahr: "Indiana". Natürlich gibt es hier auch all das, was es eben in hoch entwickelten Industrieländern gibt: Städte und Industrie, ausgebaute Verkehrswege und Bildungszentren, Geschäftsviertel und kulturelle Einrichtungen, aber das, was Indiana für Touristen attraktiv macht, ist die Natur, sind vor allem die Wälder. Das haben die Fremdenverkehrsexperten in diesem Bundesstaat, den so manch ein Spötter von außerhalb als Amerikas große Straßenkreuzung bezeichnet, längst erkannt. Und so werben sie kräftig mit dem Schatz der Schätze, der sich im Frühherbst von seiner schönsten, seiner farbigsten Seite zeigt. Wer Indiana besucht, der braucht sich nicht erst bis zu irgendwelchen weit entfernten und schlecht zugänglichen Gebirgen durchzuschlagen, der braucht sich nicht an die Küste vorzukämpfen, um dann im Rummel stecken zu bleiben, der kann einfach durchs Land fahren und sich an den "local colours" - am Lokalkolorit in mehrfacher Bedeutung des Wortes - erfreuen. Indiana ist ein Land für Natur-Liebhaber, für Menschen, die mit den Augen fotografieren. Die Vielzahl der mächtigen und gesunden Bäume besticht nicht nur Biologen und Ökologen: hier wachsen Eichen und Buchen, Eschen und Ahorn, von hier kommt das harte Hickory-Holz, und hier rauscht es im Sassafras-Gras. Indiana ist ein ruhiges Land, ein weites dazu. Die Menschen gelten als besonders freundlich, was in den USA, wo ja jedermann recht offen, wenn auch manchmal unverbindlich verbindlich auf den anderen zugeht, besonders viel bedeutet. Indiana ist bescheiden. Es weiß, was es bietet und was nervöse Touristen erwarten. Deshalb hat es sich etwas Besonderes einfallen lassen.
Wer die großen Seen im Norden besucht, wer in Chicago oder in Cincinnati, den großen internationalen Einflugschneisen, landet, der sollte auf seinem Weg in alle Himmelsrichtungen einfach seinen Weg durch das Land der bunten Bäume nehmen. Dafür gibt es spezielle Wegbeschreibungen. Nicht immer ist die gerade Linie die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten. Ein kleiner Umweg auf dem Weg von Chicago nach Indianapolis führt beispielsweise nach Merrilville mit dem legendären Star Plaza Theater, wo internationale Größen wie Tom Jones oder David Copperfield so gut wie zu Hause sind. Die Geschichte der amerikanischen Automobilindustrie kann man im Door Prairie Museum nachvollziehen. Bei Studebaker, der traditionellen Automarke, kann man heute exklusive Menüs verzehren und sich anschließend im Studebaker National Museum an automobilen Köstlichkeiten die Augen wund sehen. Die Spuren französischer Missionare führen zur international bekannten University of Notre Dame. In South Bend zeigen die Amerikaner aus Indiana ihre Verbundenheit mit der Alten Welt: Hier steht die Basilica of the Secret Heart Church mit einer Bernini Skulptur, und hier haben fromme Katholiken die Grotte von Lourdes nachgebaut.
Wer allerdings den Indian Summer erleben will, der sollte sich an die Zeiten halten, an denen die Bäume in ihrer schönsten Farbenpracht strahlen: Im Norden Indianas sind dies die ersten beiden Oktoberwochen, in der Mitte Indianas die zweite und die dritte und im Süden die dritte und vierte Woche des Oktobers. Wer ganz spät dran ist, der hat noch eine Chance in der Region am Ohio River, also ganz im Südwesten.