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Versuchter Sklavenaufstand
Die Tat ist in knappen Sätzen erzählt: Am 16. Oktober 1859 stürmte John Brown mit 16 Weißen und fünf Schwarzen das Munitionsdepot der Bundesarmee in Harper’s Ferry / Virginia. 24 Stunden später musste sich der Trupp ergeben. Das Ziel der Aktion, einen großen Sklavenaufstand zu entfachen, wurde verfehlt. Sechs Wochen später, am 2. Dezember 1859, baumelte John Brown am Galgen.
Zwar hat dieser blutige Überfall genauso wenig wie die unterschiedliche Auffassung zur Sklavenhaltung den Bürgerkrieg ausgelöst, aber er hat dafür gesorgt, dass die Lunte Feuer fing. Ein Jahr später wurde Abraham Lincoln Präsident der USA. Sechs Wochen später veließ South Carolina den Staatenbund, weitere südliche Staaten folgten und schlossen sich im Februar 1861 als Konföderierte Staaten von Amerika zusammen.
Es sollte nur noch bis zum 12. April 1861 dauern, bis der erste Schuss den Krieg eröffnete. Er fiel in Fort Sumter, einer Festung im Hafen von Charleston, South Carolina. War der Überfall auf das Depot in Harper’s Ferry die heroische Tat eines humanistischen Sklavenbefreiers oder der Irrwitz eines Terroristen? Die Meinungen dazu gehen auseinander. 1859 waren die Vereinigten Staaten bereits tief gespalten. Die unterschiedliche Auffassung für die Rechte der schwarzen Sklaven ging wie ein Riss durch das Land. Die inneramerikanische Grenze, die Dixon Line, zog sich von der Atlantikküste Marylands am Süden Pennsylvanias vorbei und westlich des Ohio River entlang. Nördlich dieser Grenze hatten die Bundesstaaten den Schwarzen seit 1804 Freiheit zugesichert.
Die Gazetten urteilten sehr unterschiedlich über die Tat John Browns. Die den Republikanern verbundene „Seymour Times“ nennt in ihrer Ausgabe des 3. November 1859 Brown „gänzlich und hoffnungslos geisteskrank“. Die Detroit Tribune verkündet hingegen am 2. Dezember 1859: „Die Bereitschaft, sein Leben für ein Prinzip zu opfern im Glauben, sein Tod bringe Wahrheit und Gerechtigkeit voran, das hebt ihn über den gemeinen Verbrecher hinaus. Und Tausende, die kein Verständnis haben für seinen schlimmen Überfall auf Harper’s Ferry, werden eine Träne weinen am Grabe dieses alten Mannes.“ Andere verbreiten über Brown, er stamme aus der Rowdyszene in Kansas, sei ein rücksichtsloser monomanischer Abolitionist. „Hier vor Gott und der Gegenwart dieser Zeugen weihe ich mein Leben der Vernichtung der Sklaverei“ hatte Brown bereits vor Jahren in einer Kirche in Hudson/Ohio geschworen. Als Beleg dafür, wie ernst ihm dieses Anliegen ist, metzelte er kurz darauf mit seinen Söhnen am Potawatomie River fünf Menschen nieder. Sie waren Befürworter der Sklaverei.
Mit seinem Überfall auf Harper’s Ferry hoffte er, eine riesige Fluchtwelle unter den Sklaven und gleichzeitig ihren Aufstand auszulösen. Am Abend des 16. Oktober rumpelte Brown mit seinen 16 Genossen mit einem Planwagen durch den hügeligen Landstrich. Am Schulhaus des kleinen Ortes postierte er einen seiner Söhne mit zwei weiteren Männern als Wache. Sie sollten Aufständische mit Waffen versorgen, sobald sie auftauchten. Er selbst zog weiter, kappte die Telegrafenleitung und sicherte den Hauptzugang der Stadt, die Brücke über den Shenandoah, mit einem weiteren Mitstreiter. John Brown verschanzte sich mit Geiseln im Munitions-und Waffendepot.
Der Aufmarsch der Truppen ließ nicht lange auf sich warten. Die Virginia-Miliz traf um 11 Uhr des nächsten Tages ein. Unterstützung erhielten die Soldaten durch bewaffnete Bauern der Umgebung. Entgegen John Browns Plan, tauchte kein Schwarzer auf, der für die Abschaffung der Sklaverei hier und jetzt zur Waffe greifen wollte. Das Militär weigerte sich mit Brown zu verhandeln, es folgten anhaltende Schießereien und Scharmützel. Am nächsten Tag hatte die Bundesarmee mit Elitesoldaten den Ort erreicht. Von Browns Kader lebten nur noch fünf. Von Colonel Robert E. Lee zur Kapitulation aufgefordert, wollte der Aufrührer für sich und seine restlichen vier Männer freien Abzug erwirken. Doch Lee lehnte das Ansinnen ab, stürmte stattdessen das Arsenal. Brown wurde verwundet. Der Staat Virginia verurteilte ihn wegen Hochverrats zum Tod durch den Strang.
Die letzten Worte John Browns: „Wenn man es nun aber für nötig hält, dass ich mein Leben im Dienste der Gerechtigkeit opfere, und mein Blut mit dem Blute meiner Kinder vermische und darüber hinaus mit dem Blut von Millionen Menschen in diesem Sklavenlande, deren Rechte von bösen, grausamen und ungerechten Gesetzen missachtet werden, dann beuge ich mich und sage: so sei es!“
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