Das Florent macht dicht ...
Das Florent in New York
New York ist "in" und es wird teuer, sehr teuer sogar. Wir statten einem Szenetreff in New York einen letzten Besuch ab. Wir sind zu Gast im Florent. Dieses Restaurant war Szene-Treff, KulturKeller und einfach nur Kultlocation in den letzten 20 Jahren. Das Florent ist den zu hohen Mieten zum Opfer gefallen und muss nun sterben.
Die Belegschaft des Florent stimmt mit ein und trauert um die "guten alten Zeiten". Das Florent liegt im New Yorker Meatpacking District und reiht sich ein in den Szenebereich am Hudson River. Allabendlich tobt im Florent das Leben. Die Menschen sitzen dann sehr dicht in diesem alt-ehrwürdigem Treff für die Subkulturen der Stadt. Hier sind schon alle regionalen Größen aufgetreten. Eine von Ihnen ist Joan Wile, oder die Granny Peace Brigade, die Lieder gegen den Golf-Krieg verfasst und vorgetragen haben.
Auch gegen den Abriss bzw. die Aufgabe des Florent hat die Granny Peace Brigade schon Lieder gesungen. Aber leider ohne Erfolg!
Das endgütige "AUS" für den Laden trifft nicht nur die Musikszene. "Alle Menschen hier trauern um das Florent", sagt Steve leise, einer der Stammgäste und im gleißenden Licht im Widerschein der Neonwerbung wirkt er dabei fast als wenn er einige Tränen vergießt. Daneben war dieser Laden ein Treffpunkt für Künstler, Literaten, Nutten und für andere Subkulturen. Das Florent war nie richtig "in", aber trotzdem all über all angesagt.
Das Szene-Restaurant wurde nach einem Franzosen benannt, nach Florent Marelet. Das Florent war unter Marelet sehr familiär, modern und es war immer ziemlich voll. Das Florent hatte rund um die Uhr auf und so wurde es zum Leuchtturm im Nachtleben von New York. Dieses Restaurant ist noch ein altes Stück New York. Es wirkt fast so, als ob Kojak um die Ecke biegen würde, um hier einen Zwischenstop von einem "Einsatz in Manhattan" zu machen.
Das Florent hat lange den hohen Mietpreisen hier standgehalten. Die letzte Miete hatte schon eine Höhe von über 5.000 Dollar erreicht. Der Vermieter wollte aber nun unglaubliche 40.000 Dollar im Monat und dies war zu viel. Das Florent stand vor dem "AUS". Das Florent war ein Imbiss, ein Kaffeeladen, ein Bistro - es hatte viele Labels, aber meist nur ein Gesicht und es war authentisch.
Nicht weit von hier hatte Roy Lichtenstein sein Atelier und er kam sehr oft ins Florent, um hier zu essen und die Menschen zu Beobachten. Aber Lichtenstein war nicht das einzig bekannte Gesicht hier. Auch Madonna und andere Hollywood-Größen kehrten hier ein und machten aus einem New Yorker Laden einen Szenetreff der Spitzenklasse.
Der "Macher" des Florent war aber der Gründer Florent Morellet, er ist Sohn des OP-ART-Artists Francois Morellet und machte aus einer Arbeiter"absteige" aus den 40er Jahren einer der wichtigsten Treffs in New York. Morellet machte das Florent und damit das ganze Viertel weltbekannt und schaffelte sich so das eigene Grab. Durch den Ruhm stiegen die Mieten und dies wurde zum "Endpunkt" für das Florent.
Die Abschiedsparty für das Florent war nicht sehr traurig. Morellet schaut auch glücklich in die Zukunft und wird evtl. ein neues Restaurant eröffnen? Man darf gespannt sein, welche neuen schönen Blumen sich aus der New Yorker Szene entwickeln werden! Denn New York ist die Stadt, die niemals schläft.
Quelle: NWP