Hermann Überblick
Das amerikanische Rüdesheim
Deutsche Gemütlichkeit und malerische Idylle - auch das gibt's im Land der unbegrenzten Möglichkeiten! Das versteckt im Flusstal des Missouri eingebettete Hermann ist das lebende Beispiel eines typischen Städtchens aus dem 19. Jahrhundert - hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Wetterhahnbestückte Kirchturmspitzen, Backsteinhäuser, schmiedeeiserne Balkone und Glockentürme vermitteln Besuchern das Gefühl, sich eher im romantischen Rheintal als irgendwo im Mittleren Westen der USA zu befinden. Die historische kleine Stadt mit ihren 2.700 Einwohnern wird auch liebevoll als "Missouri Rhine Village" bezeichnet - liegt sie doch inmitten eines der drei Weinanbaugebiete Missouris.
Hermann, nur 1,5 Autostunden von St. Louis entfernt, wurde von deutschen Siedlern im Jahr 1837 gegründet. Die Immigranten träumten bei ihrer Ankunft von einer Neuen Welt, in der sie ihre Kultur und ihre Traditionen leben und pflegen konnten, und die "German in every particular" sein sollte. Sehr bald stellte sich jedoch heraus, dass sich das Land weder für Ackerbau noch Viehzucht eignete. Aus der Not machte man eine Tugend: die umliegenden Berghänge mit ihren felsigen Böden erwiesen sich als ideal für die Anpflanzung von Weinstöcken. Sehr bald war der Grundstein für einen äußerst erfolgreichen Wirtschaftszweig gelegt: Bereits in den 1880er Jahren produzierten die Weinkellereien in Missouri 76.000 Hektoliter Wein pro Jahr und lagen damit an zweiter Stelle hinter New York.
Die Weinindustrie erfuhr mit der Prohibition im Jahre 1919 einen herben Rückschlag - hinzu gesellten sich aufgrund des Ersten Weltkriegs antideutsche Ressentiments: die "Great Depression" befiel Hermann bereits Jahrzehnte vor dem eigentlichen landesweiten wirtschaftlichen Niedergang. Mit dem Ende der Prohibition 1934 begann langsam aber stetig der Wiederaufbau der Weinwirtschaft. Hermann blieb unangetastet von den baulichen Modernisierungstendenzen der Nachkriegszeit und unberührt in seinem historischen Kern: der Tourismus begann das bilderbuchgleiche Städtchen zu entdecken, neben dem Weinanbau ein weiteres wirtschaftliches Standbein der Region.
Heute finden sich fünf der bekanntesten Weingüter des Staates in Hermann; insgesamt gibt es im Weinanbaugebiet von Missouri mehr als 40 Weinkellereien, deren Erzeugnisse sowohl nationale als auch internationale Anerkennung finden. Obgleich das Flussland des Missouri in seinem landschaftlichen Gepräge starke Ähnlichkeit mit dem Rheintal aufweist, ist das Klima wesentlich strenger, mit heißeren Sommer- und kälteren Wintermonaten. Bevorzugte Weinsorten sind der Concors, Chardonel, Seyval und der Catawba.
In fast allen Weinkellereien werden Führungen mit Weinverkostungen, selbstgebackenem Brot und "home-made sausages" angeboten. Wer vielleicht doch einmal zu tief ins Glas geschaut hat, findet ein großes Angebot an Bed & Breakfast-Unterkünften, viele davon in den restaurierten, originalen Gebäuden aus dem 19. Jahrhundert wie zum Beispiel das White House Hotel aus dem Jahre 1868. Unbedingt anschauen sollte man sich das Pommer-Gentner-House, das 1840 erbaut wurde und ein erstklassiges Beispiel für den deutschen Neoklassizismus darstellt. Hinter dem Haus befinden sich ein Landschaftsgarten sowie eine kleine Scheune, in der Werkzeuge aus dem 19. Jahrhundert ausgestellt sind.
Im Strehly House, das etappenweise von 1842 bis 1869 errichtet wurde, war einst eine Druckerei untergebracht, die eine deutschsprachige Zeitung produzierte. Um 1857 ließ Carl Strehly direkt neben dem Haus einen Weinkeller bauen, in dem heute eines der wenigen noch erhaltenen, holzgeschnitzten Weinfässer zu bewundern ist.
Diejenigen, die bei ihrem Urlaub im fernen Missouri doch einmal die Sehnsucht nach "Good Old Germany" überkommt, sollten einfach eines der zahlreichen Feste in Hermann besuchen - angeblich stehen diese ganz im Zeichen deutscher Tradition: ob Wurstfest im März, Maifest im Mai, Octoberfest (gleich an vier Wochenenden im Oktober!) oder "Kristkindl-Market" am ersten Dezemberwochenende - das Angebot ist groß und deckt ein ganzes Kalenderjahr ab!