Hawaii Geschichte
Meuterei gegen Captain Cook
Es sind polynesische Seefahrer, die - von den Marquesas kommend - um 500 n. Chr. die Inseln des Hawaii-Archipels entdecken. Ihnen folgt um 1100 eine weitere Welle polynesischer Einwanderer, diesmal aus Tahiti. Ungeklärt ist, warum die Polynesier in ihren Doppelrumpfbooten diese gefährliche Wanderung über das Meer antraten; kriegerische Auseinandersetzungen oder die Erschließung neuen Lebensraums mögen die Gründe hierfür gewesen sein. Fakt ist jedoch, dass sie ihre alte Heimat, wo auch immer diese gewesen sein mag, völlig hinter sich ließen. Dennoch behalten sie als Siedler ihre Kultur, Gesellschaftsstrukturen und Bräuche weitgehend bei. Auch die tahitianische Sprache bleibt bis in die Neuzeit relativ unverändert - Captain Cook, den ein Mann von Tahiti als Dolmetscher begleitet, soll später mit Erstaunen feststellen, dass dieser sich mit den Hawaiianern gut verständigen kann.
Die alten Hawaiianer leben in einer fest strukturierten, absolutistischen Gesellschaftsform. An ihrer Spitze regieren die Könige, "ka moi", wobei jede Insel ihren eigenen König hat. Ihnen gebührt die höchste Ehre und sie entscheiden innerhalb ihrer Machtbereiche über Leben und Tod. Ihnen zur Seite stehen die "kahunas", Angehörige einer machtvollen Priesterkaste, gefolgt von der Klasse der Adligen, den "alii". Sie alle stellen sicher, dass das einfache Volk, "makaainana", die strengen Gesetze und Vorschriften des so genannten Kapu-Systems achtet. Dieses ist ein umfangreiches Regelwerk von Tabus ("kapu"), das Einfluss auf alle Bereiche des täglichen Lebens hat. Verstöße gegen ein "kapu" werden von den "alii" mit dem Tod bestraft, jedoch darf sich der Delinquent seiner Bestrafung durch Flucht entziehen. Ist sie erfolgreich, so lebt er fortan an einem heiligen Ort, "puuhonua", wo er vor Verfolgungen und der Rache seiner Peiniger geschützt ist.
Nicht selten kommt es auch unter den einzelnen Regionalkönigen zu Kämpfen und kriegerischen Auseinandersetzungen, sodass die Hawaiianer schon früh ihre Kriegstauglichkeit regelmäßig unter Beweis stellen.
Nur wenig hat sich an den Sitten und Lebensgewohnheiten der Hawaiianer geändert, als im Januar 1778 der britische Seefahrer James Cook eher zufällig die Hawaiischen Inseln entdeckt. Die Insulaner von Kauai bereiten ihm einen freundlichen Empfang und versorgen die Seeleute mit Wasser und Proviant. Auch Cook zeigt sich seinerseits gastfreundlich und großzügig, indem er den Hawaiianern Tiere, Pflanzen und Saatgut überlässt - wie auch unglückseligerweise einige tödliche Krankheiten. Pocken, Masern, Keuchhusten und Geschlechtskrankheiten fordern in den Folgejahren unter den Insulanern ihren Tribut.
Auf der Suche nach der sagenumwobenen Nordwestpassage zwischen Pazifik und Atlantik segelt Cook mit seinen beiden Schiffen "Resolution" und "Discovery" bald weiter gen Norden. Unverrichteter Dinge kehrt er im Winter 1778/79 nach Hawaii zurück - und ankert in der Kealakekua Bay vor Big Island, ohne zu wissen, dass hier gerade ein Fest zu Ehren von Lono gefeiert wird. Lono ist der Gott der Ernte und der Fruchtbarkeit und die Mythologie besagt, dass er über das Meer nach Hawaii zurückkehren wird.
Für die Hawaiianer steht es außer Zweifel, dass Cook der lang ersehnte Gott ist, und Cook übernimmt wie selbstverständlich die ihm zugedachte Rolle. Wochen später, bei seiner Abreise nach England, beschädigt ein schwerer Sturm den Mast der "Resolution" und Cook muss Befehl zur Umkehr geben.
Doch wie das Wetter ist auch die Stimmung bei den Hawaiianern umgeschlagen - die Zeit der Festlichkeiten ist vorbei, der Proviant knapp und Cook und seine Männer sind offensichtlich alles andere als Gottheiten. In der Folge kommt es zu Respektsverletzungen auf beiden Seiten, deren Höhepunkt der Diebstahl eines Beiboots der "Discovery" markiert. James Cook, Vertreter der westlichen Welt und nicht in der Lage, sich einer fremden Kultur anzupassen, begeht einen folgenschweren Fehler. Am 14. Februar 1779 geht er an Land und versucht, einen der Häuptlinge als Geisel zu nehmen. Zwischen den Seeleuten und den Einheimischen kommt es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, bei denen Captain Cook und vier seiner Leute von aufgebrachten Einheimischen erschlagen werden. Heute erinnert ein Monument in der Kealakekua-Bucht an James Cook, der als erster Europäer Hawaiischen Boden betrat.