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Ein Bad im Jungbrunnen

Jeder fünfte Einwohner Floridas blickt auf mehr als 65 Lebensjahre zurück. Aber auch Nicht-Ruheständler lassen sich von Florida verjüngen. Disney World, Busch Gardens, Sea World, die MGM-Studios und hunderte anderer Attraktionen verzaubern jährlich Millionen von Besuchern in vergnügte und ausgelassene Kinder. Wenn ein Urlaubsziel die Bezeichnung Jungbrunnen verdient, dann ist es Florida. Magisch zieht das ganzjährig mild-warme Klima die Menschen an. Nicht nur Senioren lassen sich hier nieder.

Mit der Eisenbahn kamen die Menschen
Florida selbst ist jung. Bis Ende des letzten Jahrhunderts war es weitgehend unbesiedelt, weniger als 100.000 Menschen lebten hier vor der Mitte des 19. Jahrhunderts. Erst der Bau von Eisenbahnlinien um die Jahrhundertwende erschloss den südlichsten Bundesstaat der USA. Henry M. Flaglers Florida East Coast Railway schob sich von Norden nach Süden, neue Orte und luxuriöse Hotels entstanden entlang der Route. 1896 erreichte Flaglers Schienennetz den Ort, zu dem sich in den Folgejahren die Stadt Miami entwickelte. 1912 wurde mit Key West der südlichste Zipfel mit der Bahn erreichbar. In Palm Beach kann heute das Henry Morrison Flagler Museum besichtigt werden, ehemals Wohnsitz des Eisenbahn-Moguls.

Die Sonnenseite des Lebens
Jedes Jahr zieht es Millionen Menschen in den „Sunshine State" - allein mehr als zwei Millionen aus Westeuropa. Im Norden Floridas herrscht gemäßigtes, im Süden subtropisches Klima. Im Winter sinken in Miami und auf den Keys, den vorgelagerten Inseln, die Durchschnittstemperaturen auf ca. 20° Celsius, und im Sommer steigen sie auf etwa 30° Celsius an. Über 2.000 Kilometer Küste und Sandstrände bieten ausreichend Platz für Sonnenanbeter und Wassersportaktivitäten. Kein Ort Floridas ist weiter als 100 Kilometer vom Meer entfernt. Das milde Klima und die alles andere als hektische Lebensweise haben hier über 1.000 Golfplätze wachsen lassen.

Tour-Natur in die Sümpfe
Wem Golfen oder Surfen zu anstrengend ist, und daher ein ruhiges Fleckchen sucht, hat die Möglichkeit, unberührte Natur zu entdecken. Ein großer Teil Floridas, etwa ein Drittel der Staatsfläche, wird auch heute noch von einer unberührten Tier- und Pflanzenwelt - den Everglades beherrscht. Diese Sumpfgebiete sind nur teilweise für Touristen zugänglich. Eine gut ausgebaute Straße führt 38 Meilen durch den Everglades National Park. Fahren Sie langsam und steigen Sie hier und da aus. Vor allem dann, wenn eine Schildkröte die Straße überquert - helfen Sie ihr, damit sie nicht unter die Räder kommt! Ihren Zauber gibt die Landschaft nur zögerlich preis. In den Everglades tummeln sich 600 Fischarten, 300 Vogelarten, zahllose Säugetiere und 45 einheimische Pflanzen, die sonst nirgends vorkommen. Zu Beginn der Straße, in der Everglades Area Chamber of Commerce Welcome Station, gibt es ausführliches Informationsmaterial und Broschüren, in denen Trails, Rundwege und Aussichtspunkte eingezeichnet sind - die Wege sind gut begehbar und sicher. Am Ende der Strecke liegt Flamingo, ein ehemaliges Fischerdorf, das früher nur mit dem Boot erreichbar war. Von hier aus empfiehlt sich eine Bootstour. Mit etwas Glück sieht man ein paar Alligatoren durchs trübe Wasser schwimmen oder sich am Ufer sonnen. Mit sehr viel Glück taucht eine Seekuh auf. Alligatoren, Krokodile und Echsen gibt es auch in den Alligatorenfarmen rund um die Everglades zu sehen. Nicht jede ist gut gepflegt und das Eintrittsgeld wert - Sie sollten sich vor einem Besuch im Hotel oder bei Einheimischen erkundigen.

Jede Menge Mäuse
Wer nach so viel stiller Natur Abwechslung und lauteres Vergnügen sucht, der sollte in die Glitzerwelt der Vergnügungsparks eintauchen. Walt Disney World ist die größte Touristenattraktion der Welt und mit oder ohne Kinder ein Muss. Mit über 122 Quadratkilometern ist sie flächenmäßig so groß wie San Francisco. Vier Vergnügungsparks (Magic Kingdom, EPCOT Center, Disney-MGM-Studios und Disney´s Animal Kingdom), drei Wasserparks und das Nachtclub- und Vergnügungsviertel - eine gigantische Welt des Vergnügens entstand um das Cinderella Schloss seit der Eröffnung von Magic Kingdom 1971. Mit Kindern ist der persönliche Fototermin bei Mickey Mouse Pflichtprogramm. Langes Schlangestehen wird belohnt mit strahlenden Kinderaugen und einem Schnappschuss mit dem Idol des Familiennachwuchses. In der Hauptsaison sollte man freilich genügend Zeit einplanen; auch wenn die Parks im Sommer abends länger geöffnet haben, vergeht der Tag wie im Flug. jährlich kommen neue Attraktionen hinzu: Neben alten Bekannten wie Mini Mouse, Goofy und Donald begegnet man Aladdin, Pocahontas oder dem König der Löwen. Für mich ein Geheimtip: The Hall of Presidents. Auf einer Bühne sind alle Präsidenten der USA versammelt. Sie reden und gestikulieren, als seien sie zu neuem Leben erweckt,.

Unterhaltsames Zukunftszentrum
Ein Spektakel für die etwas älteren Kinder und Erwachsene ist EPCOT das Zukunftszentrum von Disney World. Reisen durch den menschlichen Körper, durch das Universum der Energie oder die Welt der Bewegung sind genauso aufregend und spannend wie die Weltreise durch das „Schaufenster der Welt“. Insgesamt elf Nationen stellen sich dar: Trolls aus Norwegen, Bauchtänzerinnen aus Marokko, Artisten aus China - und gekocht wird landestypisch. Falls Sie sich für einen Besuch im EPCOT entscheiden sollten, grüßen Sie Professor Wayne Szalinski. Sie finden ihn im Kodak Imagination Theater („Honey, l shrunk the Audience" -„Liebling, ich habe die Zuschauer geschrumpft"). Vergessen Sie alles, was Sie je über 3-D gehört haben! Mehr wird nicht verraten.

Kuschelnde Seekühe und hungrige Roche
Neben den Disney Parks gibt es eine Vielzahl weiterer Attraktionen wie Busch Gardens oder die Universal Studios. Einen der schönsten Tage meines Florida Aufenthaltes habe ich in Sea World verbracht. Schuld daran sind die Manatees (Seekühe), die Stingrays (Rochen) und die Designer von Sea World. Seekühe, weil sie in einem traumhaft schönen Becken zuschauen lassen, wie sie sich friedlich aneinanderschmiegen - auch in Zoos ein seltener Anblick. Die Stingrays, weil es für mich ein Erlebnis war, sie in einem speziell hergerichteten Becken zu füttern. Und die Designer des Parks, weil sie mich dazu brachten, die ganze Zeit zu überlegen, was denn so anders ist als in allen anderen Tierparks, die ich zuvor gesehen hatte. Einige Antworten fand ich. Zum Beispiel, dass im Becken der Robben und See-Elefanten mit künstlichen Wellen eine Atmosphäre gezaubert wird, die der Brandung an einer Klippe im Atlantik gleichkommt. Oder die sanfte Musik, ohne auch nur einen Lautsprecher zu sehen. Wo in anderen Zoos der Welt ein Eisbär traurig in einer Betonlandschaft hockt, in Sea World ist er neben den Besuchern Hauptdarsteller in einer Erlebniswelt. Aquarien und Becken sind eingebettet in eine Reise, die mit einem Helikopterrundflug über den Nordpol (Flugsimulator) beginnt und mit einem Rundgang durch eine Polarstation endet.

Fastfoodketten und Inseln an der Perlenkette
Überhaupt, alles in Florida ist Show im besten Sinne. Mit Phantasie und Gefühl wird Leben inszeniert, auch außerhalb der Vergnügungsparks. Fahren Sie einmal entlang der Villen in Palm Beach und schauen Sie durch die Eingangstore und in die Vorgärten. An vielen Orten werden Sie dieses besondere Flair spüren, das großartig, aber so gar nicht europäisch ist.

Wer im Süden Floridas Station macht, sollte eine Tagestour auf die Florida Keys unternehmen. Es könnte sein, dass er bald wieder für einen längeren Urlaub dorthin reist. Von Miami die U.S. 1 südwärts fahrend geht es allerdings erst einmal kilometerlang vorbei an Möbel- und Autohäusern und vor allem Fast Food Restaurants: McDonalds, Wendy's, Kentucky Fried Chicken, Taco Bells sind immer wiederkehrende Kettennamen. Bei 30 habe ich aufgehört zu zählen. Dann kommt Mangrovenwald rechts und links der Fahrbahn, und man weiß nicht recht, ob man die Keys schon erreicht hat, bis dann der Blick aufs Wasser frei wird. Der Ozean schimmert von hellem Saphir bis zu tiefem Kobalt. 180 Kilometer, 32 Inseln und 42 Brücken sind es bis Key West, der Insel im Westen. Von Key Largo können Sie Bootstouren in den Biscayne National Park unternehmen.

Säugetiere an der Flosse und Fische an der Angel
Auf einigen Inseln gibt es die Möglichkeit, mit Delphinen zu schwimmen, z. B. im Theater of the Sea auf Islamorada. Auf den Inseln spielt Zeit kaum eine Rolle. Hier leben unauffällige Kleinstädter. Den Spuren des einst prominentesten Einwohners, Ernest Hemingway, kann man auf Key West folgen.Übrigens, die Insel Islamorada auf den Keys hat sich zur „Welthauptstadt der Sportfischerei" ernannt. Mit einem Angelschein, den es in vielen Angelsportgeschäften für unter eine Handvoll Dollar zu kaufen gibt, kann man sein Glück auch in einem der vielen Flüsse und Süßwasserseen versuchen.

Beliebter Reisebegleiter: die Kreditkarte

Historische Stadtzentren sucht der Europäer in Florida meist ohne Erfolg. Die meisten Orte erblühten erst in diesem Jahrhundert voll. Dafür finden Sie große und kleine Geschäfte und Supermärkte an den großen Ausfallstraßen. In den, so genannten, Malls findet man neben Kaufhäusern, Boutiquen und Restaurants viele kleinere Geschäfte mit speziellen Auslagen. Ein Erlebnis ist ein Einkaufsbummel in solch attraktiven Einkaufszonen wie dem Mizner Park in Boca Raton südlich von Delray Beach. Das gängigste Zahlungsmittel in Florida sind übrigens Kreditkarten. Florida ist für Sonnenhungrige ein Traumziel. Sowohl Ost- wie Westküste bieten saubere und gepflegte Sandstrände und eine Fülle von Sport- und Freizeitmöglichkeiten. Fast eine halbe Million Deutscher nehmen jedes Jahr ein Bad im Jungbrunnen Florida, vor allem dann, wenn das Wetter in Mitteleuropa alles andere als warm und mild ist.

   
   

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Reisejournal > Archiv > Reisejournal 2009 > Ausgabe 02/2009 > Florida - Teil der USA

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