Essen und Trinken in den USA
Heiße Hunde und Haute Cuisine
Die kulinarische Vielfalt Nordamerikas quillt vor allem aus den Töpfen der ethnischen Küchen und hat sich inzwischen auch bei solchen Europäern herumgesprochen, die bisher glaubten, Amerikaner verschlängen grundsätzlich nur Hamburger und "hot dogs".
Kreolisch, chinesisch oder thailändisch, southern, Tex-Mex oder Californian cuisine, die Palette der Leckerbissen ist unerschöpflich. Nicht überall, aber zumindest in einigen Gourmet-Hochburgen, z.B. New York, Philadelphia, Montreal, Toronto, New Orleans, Los Angeles, San Francisco und Vancouver.
Übrigens: viele fast food outlets, die schnellen Restaurantketten und Imbissstationen am Highway, sind besser als ihr (europäischer) Ruf. Im Osten des Landes wird Wendy’s wegen seines handfesten chili con carne gelobt. Im Westen haben sich die Futter-Filialen von Denny’s (mit dem 24-Stunden-Wahlspruch "never closes" oder "always open") etabliert und bieten eine zuverlässige und preiswerte Frühstück- und Lunch-Karte sowie Salate und leichte Gerichte.
Fleischlos glücklich
Der Trend zu fleischloser Kost hat in Ansätzen inzwischen auch Nordamerika erreicht. Dass die feinen Adressen (white table cloth restaurants) mehr und mehr auf Obst und Gemüse setzen, wundert dabei weniger als die Tatsache, dass selbst fast food outlets und truckstops mitziehen: mit Salatbars, veggie (vegetable) burgers, veggie sandwiches, veggie fajitas.
Sonntags geschlossen
Da der Ausschank von alkoholischen Getränken in einigen südlichen Bundesstaaten an Sonntagen gesetzlich eingeschränkt, überhaupt verboten oder nur aufgrund von Sonderlizenzen erlaubt ist, haben viele Restaurants sonntags geschlossen.
Der kleine Knigge
Bevor es im Restaurant etwas zu essen gibt, muss sich der Gast in der Regel einer kleinen kulturellen Aufnahmeprüfung unterziehen. Meist steht am Eingang schon ein Schild WAIT TO BE SEATED, was nichts anderes heißt, als dass man nicht geradewegs auf den nächsten leeren Tisch zustürzen, sondern auf die/den Empfangsdame/-herren warten soll, die/der einen Tisch zuweist.
Warten bereits andere Gäste, tritt eines der auffälligsten angelsächsischen Rituale in Kraft: das geduldige Anstehen, das standing in line. Wer’s nicht tut, wird schon mal sanft angemahnt: "You have to stand in line". So etwas kann besonders Europäern (Briten ausgenommen) leicht passieren, denn nicht immer wird sofort klar, dass es sich bei der kleinsten Ansammlung von Leuten im Grunde schon um eine line handelt. Also fragt man im Zweifelsfall lieber: "Excuse me, is this a line?" Amerikaner lieben lines – im Gasthaus, bei der Post, an Bankschaltern, Kinokassen, an der Rezeption im Hotel. Sie hassen Drängelei und Klumpenbildung. Mit gutem Grund, denn lines schonen Nerven und ersparen unnötige Reibereien.
Ja zum "Doggy Bag"
Neben dem üppigen Frühstück sind besonders die Lunch-Gerichte vielfältig, schmackhaft und preisgünstig. Alle Portionen, die abends erst recht, sind reichlich bemessen. Man wird keineswegs schräg angesehen, wenn man sich große Portionen teilt oder sich den unbewältigten Rest (Doggy Bag)einpacken lässt (Could you wrap this, please?).
Allgemeine Tipps
Im Vergleich zu Europa isst man in Nord-amerika früh zu Abend. Vor allem in kleineren Orten heißt das: bis 21 Uhr. Aber selbst in Städten fällt es mitunter schwer, nach 22 Uhr noch ein offenes Restaurant zu finden bzw. noch etwas zu bestellen.
Fürs Picknick oder auch für die Abend-Vesper im Hotelzimmer empfiehlt es sich, gleich zu Beginn der Reise einen ausreichend geräumigen cooler für den Kofferraum zu kaufen (ab 20 Liter). Eis gibt’s reichlich in Supermärkten und Tankstellen. (Nebeneffekt der Kühlbox: Hitzeschutz für Diafilme im wasserdichten Beutel.)
Angesichts der vielen unvorhergesehenen Ausgaben (Parken, Maut, Eintritt, Steuern, Trinkgeld etc.), sollte man wissen, dass viele Bars und Lounges meist zwischen 17–19 Uhr zur "happy hour" kostenlos Snacks (freebies oder munchies) zu den Drinks servieren.
Bei Jugendlichen wird das Mindestalter von 21 Jahren beim Besuch in Bars, Discos und Spielkasinos in der Regel sehr ernst genommen! Normalerweise gilt der US-Führerschein (driver’s licence) als Ausweis (ID, identification). Da man in den USA keine Personalausweise kennt, kann es mitunter schwierig werden zu beweisen, dass man 21 Jahre oder älter ist.
Für Kleinigkeiten und Zwischenmahlzeiten sind die meisten Supermärkte wahre Fundgruben, weil sie Gemüse, Obst, Sandwichs, Gebäck usw. frisch, lecker und preiswert anbieten – oft zu jeder Tages- und Nachtzeit. Auch die Shops der Tankstellen sind als Versorgungsstationen nicht zu verachten.
Nichtraucher-Zonen sind in den allermeisten Restaurants und coffee shops gang und gäbe. Und die Missachtung des Nichtrauchergebots gilt keineswegs als Kavaliersdelikt. Auch wenn es vielen nicht passt: besonders die USA haben sich zu einem Nichtraucherland entwickelt. Auf allen inner-amerikanischen Flügen gilt völliges Rauchverbot. In Kalifornien darf in keinem Restaurant, Bar, Büro und öffentlichen Raum mehr geraucht werden!
Im Gegensatz zu Europa, wo um jedes kühlende zusätzliche Eisstückchen gekämpft werden muss, quellen US-Getränke vor Eis nahezu über: ob ice tea, ice water, coke oder sonst ein soft drink – kleine Eisbomben sind sie alle und für manche Zähne gewöhnungsbedürftig.
Die Amerikaner befinden sich zur Zeit in einem wahren Kaffeerausch. Die Zeit der "Plörre" scheint abgelaufen, ebenso wie die der "endless cup", die unendliche "refills" von Labberkaffee ermöglichte. Vor allem im Westen (eingeleitet durch die in Seattle, Washington, ansässige Kaffeerösterei "Starbucks") sind in den letzten Jahren zahlreiche duftende Kaffee-Boutiquen entstanden, in denen Espresso, Cappuccino, Café Latte etc. neben frischen Backwaren und Sandwichs angeboten werden. Die neue amerikanische Kaffeehauskultur mit ihren süßen Theken erstreckt sich inzwischen von Küste zu Küste, oft in Kombination mit Buchhandlungen oder Zeitungsläden. Die Einrichtung ist meist anheimelnd und zu wichtigen sozialen Treffpunkten geworden.