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Deutsche Immigranten in Texas
Deutsche in Texas ...
Tausende kehrten vor dem Hintergrund wachsender Armut und Arbeitslosigkeit ihrer deutschen Heimat den Rücken, um sich in den USA eine neue Existenz aufzubauen.
Maßgeblichen Anteil an der organisierten Auswanderung hatte der am 20. April 1842 gegründete “Verein deutscher Fürsten und Edelleute zum Schutze deutscher Einwanderer in Texas”, auch als “Mainzer Adelsverein” oder “Texasverein” bekannt. Ziel des als Aktiengesellschaft fungierenden Vereins war die Gründung eines “Neu-Deutschlands” in Amerika: im weitgehend unbesiedelten Texas sollte billiges Land erworben werben, um die deutschen Auswanderer aufzunehmen. Gleichzeitig erhoffte man sich einen florierenden Überseehandel.
Pleiten, Pech und Pannen
Die adeligen Herren stellten jeder ausreisewilligen Familie rund 130 Hektar Land in Aussicht, dazu die Versorgung mit Lebensmitteln bis zur ersten eigenen Ernte sowie Kirchen, Schulen und ärztliche Fürsorge. Die hehren Versprechungen erwiesen sich aufgrund akuter Geldknappheit schnell als unhaltbar: bereits die ersten Siedler mussten 600 Gulden für Überfahrt und Verpflegung aus eigener Tasche zahlen.
1845 sandte der Texasverein Prinz Karl zu Solms-Braunfels als Generalkommissar nach Texas, wo dieser nahe des Guadalupe River ein Stück Land für die Siedler erwarb. Er taufte die neue Siedlung “Neu-Braunfels” nach dem Sitz seiner Familie. Allerdings bewies der junge Prinz kein glückliches Händchen in Finanzdingen: Er gab das gesamte Geld des Vereins aus, machte zusätzlich Schulden und musste überdies freigekauft werden, nachdem einer der Gläubiger für den Prinzen eine Schutzhaft erwirkt hatte. Als Texas im gleichen Jahr in die Union aufgenommen wurde, war der Traum von “Neu-Deutschland” endgültig ausgeträumt.
Das Amt des Prinzen übernahm der preußische Baron Hans Ottfried von Meusebach, denn noch immer strömten die Ausreisewilligen in das scheinbar gelobte Land. 1845/46 kamen allein 4.000 weitere deutsche Auswanderer nach Texas, die monatelang unter erbärmlichsten Bedingungen leben mussten. Etliche fielen Seuchen zum Opfer, andere verhungerten. Als diese Missstände in Deutschland bekannt wurden, war der ohnehin angekratzte Ruf des Texasvereins nicht mehr zu retten.
Historisches Meisterstück
Meusebach schaffte es schließlich, die Verhältnisse zu stabilisieren. 1847 gründete er den Ort “Friedrichsburg”, benannt nach dem Prinzen von Preußen. Meusebachs größte historische Leistung bestand jedoch darin, mit den Indianern einen Friedensvertrag auszuhandeln: die Deutschen kauften Felle und Lebensmittel von den Komantschen, während diese im Gegenzug von Plünderungen der deutschen Siedlungen absahen. Einzigartig an diesem Vertrag ist die Tatsache, dass er von beiden Seiten nie gebrochen wurde. Es ist das einzige Abkommen zwischen Weißen und Indianern, von dem sich dies zweifelsfrei behaupten lässt.
Der denkwürdige Kontrakt wirkt bis heute nach – jeweils am zweiten Samstag im Mai wird in Fredericksburg, der Hochburg der deutschen Auswanderer, der “Founder’s Day” gefeiert. Bei diesem großen Fest treffen sich die Nachfahren des Barons von Meusebach sowie die der Komantschenhäuptlinge, die damals den Vertrag unterzeichneten. Geschenke werden ausgetauscht und gemeinsam raucht man eine Friedenspfeife, um den historischen Vertrag zu bekräftigen.
O’zapft is!
Erst mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs ließ der Zuzug deutscher Auswanderer nach. An der Schwelle zum 20. Jahrhundert lebten rund 100.000 deutschsprachige Menschen in Texas. Heute sind schätzungsweise eine Million Texaner deutscher Herkunft. 1978 wurde die “German-Texan Heritage Society” gegründet, ein Verein zur Wahrung und Pflege der geschichtlichen und kulturellen Traditionen der Auswanderer.
Die deutschstämmigen Texaner sind größtenteils im so genannten “German Belt” im Hill Country zu Hause, wo das deutsche Erbe – inklusive bodenständiger Kochkunst – allgegenwärtig ist. In Anlehnung an das Münchener Oktoberfest wird jedes Jahr Ende Oktober/Anfang November in New Braunfels das “Wurstfest” gefeiert – eine zehntägige Gaudi nach bester deutscher Tradition, die jährlich über 150.000 Besucher in ihren Bann zieht.
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